RitteRückblick

Mit dem Traber auf dem Friedenstreck

Von Viola Köhler

Der bundesweit aktive Verein Friedensglocken e.V. hat sich ein großes Ziel gesetzt:

Am 8.Mai 2025, dem 80. Jahrestag des Kriegsendes, wollen Kutscher mit Pferden und Wagen von Brück in Brandenburg nach Jerusalem in Israel starten. Dorthin bringen sie ihre Friedensglocke, gegossen aus Militärschrott wie Granathülsen und Patronen, die dann als Symbol der Friedenssehnsucht in der Stadt der drei Weltreligionen erklingen soll.

5000 Kilometer durch 14 Länder

Auf dem 5000 Kilometer langen Weg durch 14 Länder und über zwei Kontinente sollen die Begegnungen mit der Bevölkerung Freundschaft und gegenseitiges Verständnis stärken und Vorurteile abbauen. Etwa 80 Pferdefreunde sind überparteilich, religionsunabhängig und offen für alle, die mit Wort und Tat für die Erhaltung des Friedens stehen.
Der Vorbereitung dieser anspruchsvollen Reise 2025 dienen fünf geplante kleinere Pferdetrecks quer durch die Bundesrepublik.

Nachdem ich mit meinem französischen Traber Emile bereits 2020 ein Teilstück  der  Nordtour von Hamburg nach Marienfließ mitgefahren bin, wollte ich auch 2021 bei der Ost-West-Tour im letzten August dabei sein. Schon im Vorfeld war klar, dass diese Tour kein Pappenstiel werden wird! 550 Kilometer durch das bergige Thüringen, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein Westfalen sind für uns Flachländer schon eine Herausforderung.

Der Leitspruch der Treckteilnehmer war: “Wir lassen niemanden am Berg stehen! Im Ernstfall werden die Pferde ausgespannt.” Jeder Teilnehmer hat zu diesem Zweck schon zu Hause eine Vorrichtung für seine Kutsche bauen lassen, mit der diese im Notfall auch von einem Auto gezogen werden konnte…. Ich habe versucht, meinen Traber so gut wie möglich für diese Tour zu trainieren. Aber unsere Kotzener Berge, (ja, bei und im Havelland gibt es neben dem Ort Wassersuppe auch das Dorf Kotzen) erwiesen sich im Nachhinein als unzureichend für die Vorbereitung auf so eine schwierige Tour.

Auf dem Weg über Altenburg, Gera, Eisenberg, Jena, Apolda, Nohra, Arnstadt und Crawinkel bis Neufrankenroda hatten die Kutscher mit ihren Pferden bereits einige Schwierigkeiten überwunden und gemeistert. Zum Wohle der Pferde wurden diese und die Kutschen am vierten Tag auf einem Teilstück mit einer 17-prozentigen Steigung auch einmal verladen.

Unser Treck bot ein buntes Bild.

Kaltblüter, Freiberger, ein Friese, schwere Warmblüter, mein Traber und sogar Mini Shettys waren vertreten. An unserem ersten Tag wehte ein heftiger Wind und Emile, als Neuankömmling war sowieso etwas aufgeregt…Wir fuhren an vorletzter Position. Schon an der ersten kleinen Steigung ließ mein Pferd mich buchstäblich stehen. Es sprang allenfalls hin und her, wollte aber nicht ziehen! Meine Beifahrerin musste absteigen und gemeinsam mit weiteren Helfern vom Treck die Kutsche schieben. Ein Positionswechsel innerhalb der Gruppe brachte auch nur wenig Erfolg. Immer wieder blieb Emile stehen, und wir mussten angeschoben werden.

Nur trabend hat es das Pferd geschafft, die Kutsche einen Berg hoch zu ziehen. Aber das ist im Treck schwer möglich, da die nachfolgenden Kutschen dann am Berg halten müssten. In den Bergen und in der Kolonne wird Schritt gefahren. Als meine Beifahrerin sich bei dem ewigen Auf- und Absteigen auch noch den Fuß verknackste, dachte ich, das war’s. Noch bis mittags irgendwie durchhalten, dann können wir abreisen. Aber ich hatte die Rechnung ohne die anderen Treckmitglieder gemacht. Nach der Pause bekam ich einen neuen Beifahrer, und meine Copilotin konnte im Presseauto mitfahren, um ihr Bein zu schonen. Ich durfte an diesem Tag an die vorletzte Position und die Berge im Trab bezwingen. Zudem bekam ich zwei Helfer zur Seite gestellt, die mein Pferd unterstützten, indem sie an den steilen Bergen die Kutsche anschoben.

So haben wir diesen ersten aufregenden Tag, an dem wir auch vom Eisenacher Bürgermeister Dr. U. Möller empfangen wurden, gemeistert. Und trotz aller Schwierigkeiten konnte ich auch schon mal die Landschaft und den Blick auf die Wartburg genießen.

Am Abend wurde beschlossen, dass Emile und ich noch eine Chance bekommen sollen. Ich erhielt viele Tipps für das Fahren und das Bremsen in den Bergen. Mein Beifahrer und zwei weitere kräftige junge Männer  sollten mich und mein Pferd am Berg unterstützen. Und tatsächlich: Emile hat schnell gelernt, dass er die Kutsche ziehen muss, auch wenn es schwer geht. Er hat sich hinter den Friesen, seinen Freund vom letzten Jahr, geklemmt und wir kamen fast ohne Zwischenfälle an unser heutiges Ziel Weißenborn.

Die Landschaft war malerisch schön.

Der Treck fuhr durch das Eichsfeld und große Strecken entlang der Werra. Auf diesem Teilstück waren nur noch kleinere Berge zu überwinden. Der Fuß meiner Beifahrerin war inzwischen abgeschwollen, so dass sie wieder  auf die Kutsche steigen konnte. In Weißenborn, Bad Sooden Allendorf, Witzenhausen und Hann. Münden wurde unserer Mission viel  Aufmerksamkeit entgegen gebracht. Die vielen unterschiedlichen Kutschentypen und die verschiedenen Pferderassen weckten das Interesse der Menschen.

So kamen wir auch außerhalb der offiziellen Empfänge schnell mit ihnen ins Gespräch. Unser großes Ziel, mit den Pferden Frieden in die Welt zu bringen, rief dann auch unterschiedliche Reaktionen  hervor. Sie reichten von ungläubigem Staunen, bis zur begeisterten sofortigen Unterstützung.

 
Für mich endete die Tour hier. Obwohl mein Pferd inzwischen tapfer die Kutsche zog, wollte ich ihm den kräftezehrenden Anstieg nach Hofgeismar ersparen. Mein Fazit nach dieser Trainingstour war: Ich muss zweispännig fahren! Daher habe ich mir eine Woche nach dem Treck auch einen zweiten Traber gekauft. Inzwischen trainieren wir fleißig, um auch in diesem Jahr am Westtreck  teilzunehmen. Wir wollen dem großen Ziel, Jerusalem 2025, wieder ein Stück näher zu kommen!