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Wege-Rechte und Wege-Frieden in Brandenburg, insbesondere im Havelland

Von Erik Heinrich

Liebes Preussenspiegel-Team!

In einem Artikel von Mittwoch, dem 23. November wurde die „Zerstörung“ von Waldwegen durch Reiter und ihre Pferde angeprangert.

Reiter, die im Wald reiten, sind per se Naturfreunde, die versuchen, die Natur schonend zu genießen und diese Freude mit anderen Waldbesuchern zu teilen, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind. 

Für viele Wanderer erscheinen die Reiter hoch zu Ross bedrohlich oder hochnäsig allein schon durch deren höhere Position. Wir versuchen, diesem Gefühl entgegenzuwirken durch freundlichen und rücksichtsvollen Umgang mit den anderen Waldfreunden. Absolutes Gesetz ist für uns, dass wir bei Begegnungen durchparieren zum Schritt und so gut wie möglich den Weg frei machen.

Es gibt auch schwarze Schafe, aber die werden unserem Eindruck nach immer seltener.

Wir genießen die Freiheit, die uns das Brandenburgische Landeswaldgesetz bietet. Wir wissen, dass diese Freiheit mit Verantwortung verbunden ist. Wir können uns noch gut an die Zeit erinnern, in denen uns Plattenwege, Schotterpisten und Brandschutzstreifen (tiefer Boden, der Gift für Pferdesehnen ist) zugewiesen wurden und das Reiten in der Natur vergällten.
Leider ist die Zerstörung der Waldwege durch den hemmungslosen Einsatz von Erntemaschinen (Harvestern) viel gravierender. Es entstehen tiefe Spurrillen, ausgefahrene Löcher, Wurzeln werden freigelegt. Die Lockerung des Bodens durch Huftritt ist dagegen bodenökologisch positiv zu bewerten. Nichts desto trotz nutzen wir bei zweispurigen Wegen wo irgend möglich den Mittelstreifen, damit die Spuren für Radfahrer und die KFZ von Forstleuten und Jägern fest bleiben. Übrigens verstehe ich nicht so recht, warum Jäger jede noch so kleine Entfernung zu ihrem Jagdsitz mit dem PKW zurücklegen müssen, statt sich der gesunden und umweltschonenden Schusters Rappen zu bedienen. 

Dass Reiter das Wild stören, ist ein verbreitetes, aber unhaltbares Vorurteil. Im Gegenteil: Wild nimmt Pferde, auch wenn Reiter drauf sitzen, nicht als Bedrohung, sondern als artverwandte Wesen wahr und reagiert nicht scheu. Reitern – sofern sie still vergnügt im Wald unterwegs sind – gelingen dadurch wunderbare Naturbeobachtungen. Zu Pferde sehe ich häufig z.B. Rotwild häufiger von ganz nah, als wenn ich zu Fuß oder mit meinem Mountainbike unterwegs bin.

Natur- und Waldfrevler gibt es leider überall. Sie werfen ihren Müll im Wald ab; sie rasen mit Crossmaschinen oder Quads durch den Wald – ohne Rücksicht auf etwaige Schonzeiten oder die sensible Brutzeit der Vögel.

Wäre es nicht an der Zeit, dass Waldfreunde, ob Jäger, Forstleute, Wanderer, Radfahrer oder Reiter zusammenarbeiten und sich gemeinsam gegen Waldfrevler stellen, statt sich in kleinlichen Streitereien zu verlieren?