RitteRückblick

Rittbeschreibung vom Friederdorfer Reiterlager (Naturparkritt Dahme-Heideseen)

Von Susanne von Gersdorff

Einfach nur mit gleichgesinnten Reiten und Relaxen – 
eine Woche Reiterlager im schönen Brandenburg

Gleich viermal hatte Marion mit den Planungen für das Lager von vorne anfangen müssen, weil die anfangs ins Auge gefassten Höfe/Anlagen aus unterschiedlichsten Gründen doch nicht mehr in Frage kamen.
So wurde zum Beispiel einer Hofbetreiberin leider der Pachtvertrag gekündigt, so dass sie für sich und ihre Tiere eine neue Bleibe suchen musste, statt sich um eine Horde einfallender Gastreiter kümmern zu können. 

In einem anderen Fall wollte man nach einiger Überlegung nur Reiter aufnehmen, die in Fremdenzimmern wohnten und niemanden, der auf der Weide bei den Pferden zeltete oder im Auto schlief, womit wir nicht mehr zu den erwünschten Gästen zählten.

Schlussendlich fand das Lager in Friedersdorf statt, wo auch Marions Ponys wohnen. Wir lagerten auf der Wiese, auf der wir auch schon 2007 bei dem Naturparkritt zu Gast waren.

Von Anne und Bernd, den Verpächtern des Stalls, hatte Marion die zwei ebenfalls auf dem Gelände befindlichen Ferienwohnungen angemietet. Dort gab es ausreichend Toiletten und Duschen. Einige Teilnehmer, die lieber doch nicht zelten wollten, konnten sich dort in einem der Zimmer einmieten. 
Bei den Ferienwohnungen gab es dann auch Frühstück und Abendessen, wobei uns Elke mit ausgesprochen leckerem Essen verwöhnte. 
Völlig überrascht war ich, als es an dem ersten der beiden Grillabende zum Nachtisch gegrillte Wassermelone gab. Auf dem Grillrost hatte diese Aromen von dem zuvor gegrillten Grillgut aufgenommen, was ihr eine leckere Würze verlieh. In jedem Fall möchte ich zuhause auch mal probieren, Melonenscheiben zu grillen.

Marions Idee, ein Reiterlager über eine ganze Woche und das noch außerhalb der Schulferien zu veranstalten, war ich nicht ohne Skepsis begegnet – waren doch die Sternrittveranstaltungen, an denen ich bisher teilnahm, über verlängerte Wochenenden gewesen.
Meinen Zweifeln zum Trotz meldeten sich genug Teilnehmer an. Außerdem waren die Anreise am Sonntag und die Abreise am Samstag über A2 und A10 ohne Berufs- und mit eingeschränktem LKW-Verkehr für mich ausgesprochen entspannt. Die Stellen an den Seen, an denen wir mit den Pferden Baden konnten, hatten wir unter der Woche außerhalb der Ferien auch für uns alleine, so dass es auch keine Konflikte mit anderen Erholungssuchenden gab.

Auf den meisten zwischen 20 und 39 Kilometer langen, von Marion ausgearbeiteten und von Claudia als GPS-Track digitalisierten Routen gab es Möglichkeiten, mit den Pferden ins Wasser zu gehen. Weitere Highlights auf den Strecken waren z.B. das Wildschweingehege bei Philadelphia, wo wir, unsere Pferde und die Wildschweine uns gegenseitig betrachteten (Ja, Philadelphia liegt wirklich in Brandenburg), die Wurzelkiefer, die Hängebrücke über die Dahme und Kuddels Gastwirtschaft. Letztere hatte neben einen Biergarten auch noch eine saftige Wiese, auf der sich mittels mitgebrachter Litze unter Nutzung der Bäume eine Wellness-Oase für die Pferde errichten ließ

Überrascht war ich auch von der Beteiligung bei den am Mittwoch von mir organisierten Reiterspielen. Gleich 12 der 16 Teilnehmer machten begeistert mit und das, obgleich es keine Kinder oder Jugendliche auf der Veranstaltung gab. Ansonsten stand der Mittwoch unter dem Zeichen der Fußball WM. Einige ignorieren das letzte Vorrunden-Spiel Deutschlands, andere schauen es in einer der Ferienwohnungen an. Aber am originellsten machten es Tina, Judith und Stephan: sie ritten zu Kuddels Gaststube, stellten die Pferde in die Wellness-Oase und schauten das Spiel mit gleichgesinnten Fußballfans.

Da die Sommersonnenwende nur wenige Tage her und der Himmel abends zumeist wolkenlos war, wurde es nachts gar nicht richtig dunkel. Noch bis spät in die Nacht hinein sahen wir einen Dämmerungsstreifen am westlichen Horizont, während wir am Lagerfeuer saßen und die Erlebnisse der zurückliegenden Tage Revue passieren ließen. Zusätzlich schien auch noch der Vollmond. Wolfgangs Bekannte Monika beschrieb dies ganz treffend mit dem in Russland gebräuchlichen Ausdruck der weißen Nächte. 

Ein weiteres Highlight der Veranstaltung war der von Susanne und Nadine am Donnerstag angebotene Vollmondritt, an dem auch über zehn Reiter teilnahmen. Dieser führte zum Teil durch den Wald. Mal wieder war es beeindruckend, wie trittsicher die Pferde auch bei Dunkelheit waren, auch wenn ihre Reiter, nicht mehr auf den Weg achtend, die Glühwürmchen am Waldrand bestaunten.

Auf der Wiese am Lagerplatz hatten wir die Möglichkeit, unsere Paddocks täglich auf eine andere Stelle mit frischem Gras umzusetzen. Das war sogar vom Wiesenbesitzer so gewünscht. Das führte zu dem Luxusproblem, dass sich die Paddocks immer weiter von unseren Zelten, Autos und Anhängern entfernten und die Wege mit Heu und Wasser zu den Pferden immer länger wurden. 
Aber das ist vielleicht auch der einzige Grund der mir einfällt, weswegen man eventuell hätte froh sein können, dass das Lager am Samstagvormittag vorbei war, denn das Ganze war eine rundum gelungene Veranstaltung.