RückblickVeranstaltungen

Wovon ein Geländereiter wirklich träumt…..

Von Nina Binder

Vom Reiten in einer vielfältigen Landschaft mit klaren Seen und Bächen, wilden Schluchten, weiten Tälern, geheimnisvollen Mooren und lichten Mischwäldern? Von lieblichen Heidefeldern und Blumenwiesen? Von unberührter Natur, in der es noch Wegränder und Feldraine als typische Biotope gibt, wie sie in Pflanzenführern als Standorte für Kartäusernelke, Wegwarte und Taubenkröpfchen angegeben sind? Ja, natürlich gelten Reitstrecken durch solche Gebiete als paradiesisch. Aber entspannt genießen kann der Mensch auf seinem Pferd sie nur dann, wenn sie ihm ausdrücklich als Reitwege angeboten werden. So wie im Naturpark Märkische Schweiz, wo der der Wanderreiter eine Ausgangslage vorfindet, von der man andernorts nur träumen kann. Dort – östlich von Strausberg, rund um den Schermützelsee und die Orte Buckow, Müncheberg und Ihlow – wird nämlich das Wanderreiten als besonders willkommene und landschaftsverträgliche Sportart angesehen. Mit der Philosophie, dass Pferd und Reiter als Einheit schon seit Urzeiten die Erde bevölkern und ihnen auch heute ein Platz auf den alten Pfaden zusteht, veranstaltet der Naturpark Märkische Schweiz auf Initiative seines Leiters, Herrn Dr. Meinhard Ott, seit 2003 den alljährlichen Naturpark-Rundritt in Zusammenarbeit mit der VFD.
So finden sich auch im WM-Sommer 2006 rund 25 Reiter mit ihren Pferden im Dörfchen Ihlow ein – inmitten liebevoll sanierter alter Feldsteinhöfe und den für diese Region typischen Feldsteinwegen und Dorfteichen. Im barocken Landhaus Ihlow, dem ehemaligen Gut von Bredow, werden sie vom Pächter, Herrn Grundmann, bestens versorgt. Im Park steht für die Pferde eine große Wiese – Voraussetzung für die sichere Unterbringung in elektrisch umzäunten Paddocks – sowie Hafer, Heu und Kraftfutter bereit. Unter ihnen finden sich natürlich vor allem die distanz-erprobten Traber, Araber und Haflinger, aber auch einige Brandenburger Warmblüter. Rings um die Pferde werden die Zelte aufgebaut, und als dann noch der Gastgeber zu einem nächtlichen Lagerfeuer am Teich lädt, findet der Tag seinen perfekten Abschluß.

Durch eine Landschaft mit dem Reiz einer Schweiz- hohe Gipfel & tiefe Schluchten

Am Morgen des 29. Juni starten die Reiter in drei Gruppen ihre erste Tagestour über Prädikow in die Schwarzen Berge, weiter nach Kähnsdorf und schließlich nach Ruhlsdorf, weiter vorbei an einem Damwildgehege, durch das malerisch gelegene zwölf Häuser-Dorf Hasenholz. Diese Landschaft wurde im Wesentlichen durch die letzte Eiszeit vor ca. 12.000 Jahren geprägt und repräsentiert auf relativ kleinem Raum nahezu alle Landschaftsformen der Mark Brandenburg.

Entlang alter Feldheckensysteme geht es zur Bergschäferei. Die Mitarbeiter der Naturwacht haben hier bereits das Mittagsquartier, also Anbindevorrichtungen und Tränken für die Pferde, vorbereitet – ein echter Luxus für den Wanderreiter, der sonst oft auf sich allein gestellt ist. Auch für die Reiter ist gesorgt – die Biokelterei bietet ihnen zertifizierten Apfel- und Birnensaft aus Streuobstwiesen des Naturparks an. Reitern und Pferden wird eine kurze Siesta im Schatten gegönnt – danach streifen sie eines der größten Niedermoorgebiete im Osten Brandenburgs – das Rote Luch, das durch seine weite, freie Landschaft faszinieren wird. Der Stobber, das zentrale Fließgewässer im Naturpark, hat hier seine Quellen und wird einem auf der Runde durch die Märkische Schweiz noch mehrmals begegnen. Die Wege im Wald sind schattig und weich – ideal für lange Trabstrecken. Inzwischen hat die Gruppe ihr eigenes Tempo gefunden und jedes Pferd seinen Nachbarn, so dass sich langsam Gelassenheit breit machen kann. Man durchreitet noch den so genannten Buckower Kessel, um dann am Naturpark-Informationszentrum „Schweizer Haus“ einen zweiten Stopp einzulegen. Zum Abschluß des Tages wird der Krugberg erklommen, die höchste Erhebung im Naturpark mit einem herrlichen Ausblick. Von hier aus erschließt sich dem Betrachter im Rundumblick die eiszeitliche Prägung der Topographie besonders deutlich. Nun sind es nur noch wenige Kilometer bis zum Landhaus in Ihlow. Hier erwartet die Teilnehmer jedoch kein Feierabend, sondern der Auftakt zum

internationalen Erfahrungsaustausch mit einer Reiter-Delegation aus Polen!

Gemeinsam wird noch am selben Abend in Julianenhof das Internationale
Fledermausmuseum und der sanierte Eiskeller besichtigt, bevor am Freitag, 30.6. der erste gemeinsame Ausritt losgeht. 

Hier wird das Batzlower Teichgebiet und später das Mühlenfließ erkundet. Pferd und Reiter können sich auf langen Galoppstrecken durch die Ringenwalder Heide austoben. In einem malerisch im Wald gelegenem Gewässer, dem Dolgensee, erfrischen sich Pferd und Reiter bei einem Bad. Die Erfahrenen unter ihnen lotsen auch das wasserscheueste Tier in den See. Wie so oft, nutzen sie Neugier und Nachahmungswillen des Pferdes, um ihm etwas Neues zu zeigen. So bringt jeder am Abend seine eigene Erfolgsgeschichte mit. Es sind gerade solche Gemeinschaftserlebnisse, die die Wanderreiter zusammenschweißen. An diesem Freitag findet die Mittagspause an der Lapnower Mühle mit ihrer hervorragenden Fischräucherei statt. Bei einem Mahl mit frisch geräucherten Forellen wird die noch verbleibende Strecke besprochen. In Julianenhof werden zwei wild wachsende Kirschbäume geplündert, um die Strecke bis nach Pritzhagen in der sengenden Hitze zu überstehen. Dort befindet sich das letzte Quartier, idyllisch am Tornower See inmitten der Pritzhagener Heide gelegen. Das renommierte Gestüt Senftleben hat den brandenburgischen und polnischen Wanderreitern anläßlich der 

3. Pritzhagener Pferdetage vom 28. Juni bis 01. Juli 2006

eine große Weide am Waldrand für das Camp zur Verfügung gestellt. Die Reiter vollziehen das abendliche Ritual des Paddock- und Zelt-Aufbaus, Pferde werden gepflegt, gewaschen, gefüttert und getränkt und nicht zuletzt unterzieht man auch das Sattelzeug einer Kontrolle. Dann folgt endlich – in beliebiger Reihenfolge – Abendessen, Umziehen und Baden im Tornow-See. Auf dem Festplatz des Gestütes erwartet alle Pferdefreunde ein Abend mit live Country-Musik und Tanz. Die Temperatur kühlt auch an diesem Tag kaum ab, so dass einige besonders Naturverbundene die Gelegenheit zum Schlafen unter freiem Sternenhimmel nutzen. Beim Einschlafen hört man noch, wie sich die Pferde zufrieden über die Wiese hermachen und im gewohnten Rhythmus ein Grasbüschel nach dem anderen ausrupfen. Spätestens jetzt entspannt sich auch der gestressteste Reiter und kann sein Pferd guten Gewissens ein paar Stunden sich selbst überlassen.

Am nächsten Morgen herrscht dagegen schon wieder freudige Erregung im Zeltlager. Zunächst wird ein kleiner aber feiner Ritt am Vormittag unternommen. Dann, zum Abschluß des Naturpark-Ritts, werden alle Teilnehmer gemeinsam in Pritzhagen einreiten und dort beim „3. Pritzhagener Pferdetag“ vom Publikum herzlich empfangen. Die Hauptakteure halten Reden und Grußworte. Die polnische Delegation spricht eine Dankesbotschaft an die Naturwacht aus für die wunderbare Organisation. Ihr Respekt und Dank gilt aber vor allen Dingen auch Frau Birgit Groth, der Landesvorsitzenden der VFD Berlin-Brandenburg, welche die polnischen Reiter auf schönsten Wegen zu der Rittstrecke und auch über die folgenden Tage geführt und begleitet hat. Die circa 40 Pferde sind aufmarschiert und man merkt ihnen an, daß sie erahnen, daß da noch was kommt. Zu klassischer Musik erfolgt ein Links-brechtab zu einer temperamentvollen Ehrenrunde im Galopp über den großen Springplatz in Pritzhagen. Der Auftritt der VFD-Reiter findet seinen Abschluß in einem Schaubild von Barbara Lorenz mit ihrer Stute Lucy und Hund Hutch.

Der Naturparkritt Märkische Schweiz 2006 stand unter dem Motto freundschaftlicher Verbundenheit mit dem Naturpark Warthemündung im Nachbarland Polen. Hier soll die Zusammenarbeit künftig vertieft und gemeinsame Wanderritte gefördert werden. So sind die VFD-Wanderreiter zu Vorreitern in Sachen Völkerverständigung geworden. Beim ersten Treffen wurde noch eine Dolmetscherin benötigt. Im weiteren Verlauf des Wanderritts stellten sich jedoch erstaunliche Fremdsprachenkenntnisse auf beiden Seiten heraus, die im Bedarfsfall durch Phantasie und Pferdesprache ergänzt wurden. So konnten über das Medium Pferd erste Kontakte zu den polnischen Pferdefreunden geschlossen werden. Brandenburg und seine Reiter zeigten sich nicht nur an diesem Abend, sondern auch an den folgenden Ritt-Tagen von ihrer besten Seite, so dass eine Gegeneinladung von polnischer Seite nicht lange auf sich warten ließ. Andrzej Helmanowie, Inhaber der Reitschule in Santok, was ungefähr 60 km hinter der deutsch-polnischen Grenze liegt, hat die Brandenburger zu einer großen Fuchsjagd am 11. November 2006 eingeladen. Im Gespräch ist überdies ein gemeinsamer Wanderritt durch den Naturpark Warthemündung im Sommer des Jahres 2007. Hier ist auf das Wirken von Dr. Meinhard Ott zu hoffen, der versprochen hat, dieses Projekt zu unterstützen.